1.7.2015

Aus gegebenem Anlass, an dem ich – was den ein oder anderen interessieren mag – weder die Haupt- noch eine aktive Rolle spiele, möchte ich an dieser Stelle kurz niederschreiben, wie ich mir den Ablauf meiner Beerdigung vorstelle. Ein Gespräch mit der Mutter meiner Kinder lässt mich nämlich daran zweifeln, dass sie die Umsetzung meiner Vorstellungen einer gelungenen Trauerfeier mit der nötigen Ernsthaftigkeit verfolgen wird.

Ich würde mich freuen, wenn unter den ehrlich Trauernden auch nicht ganz so sehr betroffenes Publikum anzutreffen ist, das am Ort des Trauerns auf den Hinterbänken flüsternd die wirklich wichtigen Fragen stellt, die mich zu meinen Lebzeiten auch beschäftigt haben: „Wann gibt’s was zu essen?“ – „Wird das auch schmecken?“ – „Hoffentlich ist das nicht nur so ein armseliges Frühstücksbuffet.“ – „Ein Stück Fleisch sollte schon dabei sein.“ Den Einsatz von Stripperinnen zum Aufbauschen der Besucherzahl erachte ich aber nicht für notwendig, das Budget ist beim Essen besser aufgehoben.

Wichtig ist mir auch, dass während der Trauerrede Always Look on the Bright Side of Life gespielt wird. Dabei darf der Hinweis des Bestatters nicht fehlen, dass Anwesende, die nicht mitsingen und -pfeifen, beim späteren Leichenschmaus allen anderen den Vortritt am Buffet geben müssen. Kontrollen finden statt (<== wichtiger Hinweis für den Organisator).

Nachdem meine Lebensgeschichte erzählt ist, wünsche ich mir vor dem gemeinsamen Gang zum Grab ein Lied wie zum Beispiel Art of Life: Ausgesprochen mittelgut, etwas schwermütig, aber mit Dur-Refrain, und – das wichtigste – ausgedehnt langatmig im Mittelteil. Mit Anspielen des Lieds wird vor der Tür des Orts der Festlichkeit Bier ausgeschenkt. Der Ausschank wird mit dem Ende des Lieds, noch bevor der Sarg herausgetragen wird, beendet. Motto: Wer zu lange trauert verpasst das beste.

Die Sargträger sollten auf dem Weg zur Auflockerung der Stimmung gelegentlich Ausfallschritte und kleine Hüpfer vollführen. Wenn meinen Angehörigen danach ist, dürfen die Sargträger auch tanzen. Am Ende wird der Sarg vor einem Urnengrab abgestellt, worauf die Sargträger und der Bestatter mit gespielter Überraschung und Verzweiflung reagieren. Um meine Bewunderung für Macher und Pragmatiker zu zelebrieren, wird das Problem vor Ort mit einem aus dem Publikum erbettelten Benzinkanister gelöst („Bitte treten Sie etwas zurück!“). Als Urne werden aus dem Publikum zwei Tupperdosen aufgetrieben, die mit den Worten „Die Brote können drinnen bleiben, gibt ja gleich was richtiges, hehehe.“ an die Sargträger übergeben werden.

Und das Essen muss dann natürlich auch richtig gut sein. Spanferkel, mindestens.

Advertisements
1.7.2015

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s