15.7.16

07:40 bei Radio eins

Radio eins wollte mit Gernot Erler live in der Sendung über den Petersburger Dialog 2016 sprechen. Sie haben auch angerufen, aber „natürlich müssen wir jetzt über den Anschlag in Nizza sprechen“.

Nein, das müsst ihr nicht.

1. Weil der  Erkenntnisgewinn fehlt

Gernot Erler, der in einem anderem Land in anderen Themen steckt, kann doch auch nicht mehr tun, als die überall präsente Berichterstattung wiederzugeben und mit eigenen Mutmaßungen anzureichern. Und die ursprüngliche  Berichterstattung, zu der er tatsächlich etwas zu sagen gehabt hätte, weil er dort nämlich tatsächlich Handelnder ist, fällt aus.

2. Weil das Format nicht passt

Der Petersburger Dialog befindet sich in Bewegung, hier verändert sich an diesem Tag etwas, und was genau ist schwer zu fassen. Das Interview als Form ist daher von der Redaktion gut gewählt, weil hier das Thema vertieft dargestellt werden kann und erwartbare Unklarheiten von den Moderatoren angesprochen werden können. Der Anschlag dagegen ist vergangen und abgeschlossen, im Moment laufen die Aufräumarbeiten, Geduld ist gefragt bis die Fakten geklärt sind, bevor ernstzunehmende Analysen betrieben werden können. Eine kurze Nachrichtenmeldung genügt um alle bislang bekannten Fakten zusammenzufassen.

3. Aus Gründen, die mit dem Terror zusammenhängen

Terror soll Angst und Schrecken verbreiten, und wesentliches Mittel dazu ist es die Menschen zu verunsichern, wann was passieren wird. Genau diese Unsicherheit entsteht auch durch eine  Berichterstattung, die außer Mutmaßungen und unfundierten Meinungen nichts vorzuweisen hat. Eine ausgewogene Berichterstattung sollte die 80 Toten in Nizza genauso kühl betrachten wie die 675 Leichen, die gestern aus dem Mittelmeer geborgen wurden und die jährlich 26000 Verkehrstoten in Europa, für die meines Wissens kein Radioprogramm geändert wurde.
Ich habe heute nichts anderes gemacht als sonst. Die Kinder sind im Kindergarten, ich bin bei der Arbeit. Ich habe das nicht getan, weil ich die Toten nicht bedauere, sondern weil ich heute genauso wie gestern der Meinung bin, dass das, was ich tue sinnvoll und durchdacht ist.

Liebe Redaktion, woher kommt euer mangelndes Selbstvertrauen in die eigenen Prommmacherqualitäten, das euch dazu verleitet einen durchdachten Beitrag so plötzlich umzuschmeißen?
P.S: Ich habe mir das Interview nicht angehört.

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15.7.16

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