6.12.16

Als ich mich auf die Suche machte, erreichten mich sofort einige Anrufe. Sogar aus Polen haben welche angerufen um mit mir zu sprechen. Die meisten wollten mich sofort treffen, egal was ich ihnen erzählte. Wenn sie merkten, dass es bei mir komplizierter war, sagten sie „Gut, OK.“, bevor sie auflegten. Sie meldeten sich nie wieder. Manche legten auch auf, ohne etwas zu sagen.

Und dann kamst du. Du hast interessiert nachgefragt, du hast zugehört und mich an deinen Plänen teilhaben lassen. Und du hast gleich gesagt, dass ich mir falsche Hoffnungen machte. Es werde nicht alles besser, wenn man lange warte, und auch der Preis..  Aber bei dir habe ich mich sicher gefühlt! Du hattest so einen klaren, nüchternen Blick auf die Dinge.

Erst nach dem Treffen habe ich dein wahres Gesicht erkannt. Als alles vorbei war habe ich gesehen, dass es bei dir gelaufen ist wie es mit all den anderen auch gelaufen wäre, schnell und billig. Statt der abgemachten 150€ – nur für dich, für keinen anderen bin ich vorher so weit herunter gegangen – hattest du auf einmal nur noch 100€ für mich. Die warmen Worte von deinem Abschlepper, wie verständnisvoll und anständig ich sei, können nicht darüber hinwegtäuschen dass du mich benutzt hast. Sie machen den Sturz, jetzt, am Morgen danach, sogar noch schlimmer. Ich bin auf dich hereingefallen. Deine Entschuldigungen sind Lügen. Du wusstest, dass du bei mir einen 1.8er finden würdest. Es war mein erstes Mal, und du hast es schamlos ausgenutzt.

Du hast mein Vertrauen missbraucht. Beim nächsten Mal vekaufe ich dir mein Auto nicht.

Update: Der Abschlepper war der Betrüger. Er hat das Telefongespräch nur vorgetäuscht und die Differenz selbst eingesackt.

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6.12.16

29.11.16

“You’re all going to die”: A scientifically proven pep-talk for winning

Nach #NacktImNetz: So schützt du dich und deinen Browser

Der Beitrag ist sehr unbefriedigend. Nicht nur weil dort sinngemäß steht „Mobil gelten übrigens andere Regeln, s. diesen noch längeren Text hier.“,  sondern weil man bei der Umsetzung mitdenken muss.

Türkei: Kritischer Journalist interviewt Oppositionspolitiker in gemeinsamer Gefängniszelle

Unsealed Warrant Shows FBI Malware Affected Innocent Tor Users While Agency Ran More Than 20 Child Porn Sites

“That is, while the warrant authorized hacking with a scalpel, the FBI delivered their malware to TorMail users with a grenade,” Christopher Soghoian, principal technologist at the American Civil Liberties Union (ACLU), told Motherboard in an email.

How Half Of America Lost Its F**king Mind 

Schön erklärt. Ist so.

Trump-Wähler scheren sich nicht um die Wahrheit? Du doch auch nicht! 

Ist auch so.

AfD Sachsen wettert gegen Sexspielzeug-Startup 

Sachsens AfD-Vizechef sagt:

Wer die Entwicklung eines lautlosen Vibrators für innovativ hält und mit dem dritten Platz prämiert, muss sich fragen lassen, welches Technologie-Verständnis er vertritt.

Ich sage:

Wer den Wert eines lautlosen Vibrators nicht erahnen kann, muss sich fragen lassen welches Sexualitäts-Verständnis er hat. 

Kommissar Google ermittelt

Michaela Müller und Jürgen Becker forschen für das Bundeskriminalamt Organisationen der kurdischen Befreiungsbewegung aus. 
[…]

„Ich mache das so: Ich rufe die Seite hezenparastin.com [eine Webpräsenz der kurdischen Guerilla] auf. Dann kopiere ich die ganze Seite in den google-Translator und suche nach Wörtern wie ‚Anschlag‘ oder ‚Aktion‘.“ Wird Müller bei ihrer Investigativ-Recherche fündig, schickt sie die betreffenden Absätze an eine Dolmetscherin, denn sie selbst spricht – trotz 8-jähriger Beschäftigung mit der PKK – weder türkisch noch kurdisch. Kriegt sie das nun verdeutschte Bekennerschreiben zurück, trägt sie den Anschlag in eine Liste ein […]
 Sie nimmt das Datum der Aktion und googelt erneut. Die erstbeste Webseite, die irgendwas ausspuckt – oft nationalistische Blätter von aktifhaber über Sabah bis Milliyet -, trägt Müller nun auch noch in die Liste ein. Damit enden die Ermittlungen. Schwierig ist an diesem Beruf, so erzählt die Anfang 40-jährige, dass der google-translator manchmal Worte nicht kennt, so wie etwa den kurdischen Namen der Stadt Diyarbakir, Amed.

Das ist so unfassbar dilettantisch, ich wünsche mir, dass das ein Witz ist.

Autobahn-Privatisierung: Linke Spur bald nur noch für Premium-Maut-Zahler

So klingt es lustig und realitätsfern. Wenn es um Datentransfer im Internet geht, schwebt den Konzernen wie der Telekom aber genau dieses Modell vor.

PSA: Don’t Mess With The Google!  

Ehestreit ist v.a. deswegen so verheerend, weil der Partner einen ziemlich großen Einfluss auf das eigene Privatleben hat. Deswegen ist im Streitfall (Streit im Sinne von: Eine einvernehmliche Lösung wird nicht angestrebt) niemals nur ein Lebensbereich betroffen, sondern ziemlich viele auf einmal. Ein Streit über Kindererziehung hat Folgen für das Essen hat Folgen für das Abendprogramm hat Folgen für die Urlaubsplanung hat Folgen auf das Einkaufsverhalten hat Folgen für die eigene Liquidität. Wehe dem, der sich in der glücklichen Zeit zu viele Fäden aus der Hand nehmen lassen hat.

Wie töricht ist es vor diesem Hintergrund, wenn man die Kontrolle über das eigene digitale Leben in so vielen Bereichen in die Hände eines einzigen Unternehmens legt.

This $1,500 Toaster Oven Is Everything That’s Wrong With Silicon Valley Design

What’s wrong with Silicon Valley Design?

1. Cloud experience over immediate experience

Mark Wilson:

[The manufacturer] audited my oven’s data and claims that the salmon finished 31 minutes into cooking […] and I left it in longer by mistake. My iOS logs show I did receive a push notification at that time, but that doesn’t account for what the oven itself was conveying.

2. Experience Mainstreaming

Mark Wilson:

[W]hat averages out across millions of people may end up tasting pretty … average.

3. Excluding the user from the process

Mark Wilson:

[The oven] asks cooks to put their faith in the fledging startup’s proprietary software getting better, rather than improving their own analog skills—skills that will work on any machine, in any kitchen.
[…]

When you cook salmon wrong, you learn about cooking it right. When the [oven] cooks salmon wrong, its findings are uploaded, aggregated, and averaged into a [manufacturer] database that you hope will allow all [manufacturer’s] ovens to get it right the next time.
[…]

[The oven] eliminates […] self-education. Instead of teaching ourselves to cook, we’re teaching a machine to cook. 

4. Annoying and/or useless information

Aside from the litany of push notifications, which makes each dinner feel like a Tinder date who is VERY EXCITED TO SEE YOU AGAIN, you can see a schematic of just what […] oven features (broiler, fans, etc.) are on, along with a live video feed of your food cooking. […] you can watch a time-lapse of the food cooking […]

Bedienung, bitte!

Julia Friedrichs bemitleidet Dienstboten, die schlecht bezahlt z.B. Wohnungen putzen. Zu Unrecht, sagt Lisa Niehaus:

Ja, es gibt ein Einkommensgefälle zwischen mir und dem Paketboten. […] Dieses Gefälle gibt es aber überall: zwischen mir und der Bäckereiverkäuferin, zwischen mir und meinem Friseur […] Noch mehr zwischen mir und dem Arbeiter in China, der mein iPhone zusammengebaut hat. Um diese Menschen sorgt sich Julia Friedrichs aber offenbar weniger. […] Die Ungleichheit wird ihr erst dann unangenehm, wenn sie an ihrer Tür klingelt.

Und:

 Trinkgeld geben hilft übrigens manchmal auch.

Sash wird ihr da garantiert zustimmen.

Dann noch viel Spaß beim Rübenziehen mit Jörg Pilawa

Die Produzenten von Schrott-Unterhaltungssendungen wissen was sie tun.

Digitale Wissenschaftskontrolle

Uwe Jochum möchte dem Leser vormachen, dass Open-Access-Systeme zu Veröffentlichungsmonopolen und Totalüberwachung der Wissenschaftler führen.

Es zeichnet den Artikel aus, dass er das an keiner Stelle schreibt. Die Strategie von Jochum zur Überzeugung des Lesers ist stattdessen, den Schlüsselbegriff „Open Access“ jedesmal fallen zu lassen, wenn er seine düsteren Prognosen ausbreitet. Seine Kritik meint aber tatsächlich nur eine ganz spezielle Form von (Open-Access-)Publikationssystemen, wie in den folgenden Sätzen deutlich wird:

Stattdessen soll die digitale Publikation auf den universitären Volltextservern zu „Open Access“-Konditionen erfolgen, …

Nun darf man freilich bezweifeln, dass ein Wissenschaftssystem, in dem anstelle der konkurrierenden Intermediäre vom Typ Verlag ein vom Staat als Monopol betriebenes Open-Access-System installiert wird, …

Durch die ständige Erwähnung von Open Access bekommt der unbedarfte Leser den Eindruck, Open Access sei das Problem, in Wirklichkeit trifft all die Kritik von Jochum aber nur das von ihm erdachte System des „universitären Publikationsmonopols“, eine Idee der er keinen Namen gibt, und die – soweit ich sehe – keiner der Befürworter von Open Access jemals vorgeschlagen hat.

Der Artikel ist damit ein tolles Beispiel für motivationales Framing. Ich finde es befremdlich, dass die FAZ ihren Autoren solche typischen Propagandastilmittel durchgehen lässt.

Der Vollständigkeit halber: Warum Jochum unrecht hat:

1. Es gibt eine Menge von Open Access Journals und Verlagen. Wenn die Universitäten dazu kommen kann von einer Monopolstruktur nicht mehr gesprochen werden – im Gegensatz zu jetzt.

2. Es ist naiv zu glauben, dass die Verlage und Datenbanksprojekte heute die Mittel zur Überwachung nicht auch schon nutzen würden – durch die Paywall haben sie sogar einen legitimen Grund dazu. Wenn Jochum etwas gegen Überwachung tun will sollte er sich mit dem BND-Gesetz beschäftigen.

3. Der Anspruch 

Die wissenschaftlichen Veröffentlichungen sind das Eigentum der Autoren

ist nicht ganz richtig, wenn man sich anschaut was man als Wissenschaftler so unterschreiben muss bevor der Verlag die Veröffentlichung akzeptiert.

In jedem Praktikantenvertrag ist geregelt, dass der Mitarbeiter (mindestens) die Nutzungsberechtigung seiner Ideen an das Unternehmen abtritt. Nichts anderes bedeutet die Regelung, dass die Universität die Ergebnisse der von ihr bezahlten Forscher veröffentlichen darf.

29.11.16

23.10.16

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/1.3215844

Wenn Karl-Heinz Büschemann keine Lust hat, sich durch das „Fachchinesisch“ im Schiedsgerichtsverfahren zwischen der Bundesregierung und Vattenfall zu kämpfen und glaubt dass die Funktion der Klimaanlage während des Prozesses noch das Spannendste war, dann darf er sich den Livestream gerne sparen und braucht auch keinen Artikel darüber zu schreiben.

Er hat nun aber offensichtlich trotzdem einen geschrieben, und zwar gegen die „Kontrollgesellschaft“, die dort entsteht, wo Transparenz herrscht.

(Dass der Autor den Text über die Kontrollgesellschaft mit dem genannten Beispiel beginnt, lässt aber immerhin darauf schließen, dass er selbst vermutet, dass dort Informationen übermittelt wurden, die jemand anders zu einer Art Kontrolle ermächtigt hätten.)

Der Autor findet das gefährlich: „Transparenz kann […] das Ende einer offenen Gesellschaft werden“. Bei zu viel Transparenz, suggeriert er, fänden wir alle uns in der Politik nicht besser zurecht als auf einer Landkarte im Maßstab 1:1.

Tja, möchte man ihm da zurufen, da brauchen wir dann wohl Journalisten, die dem Fachchinesisch hinterher recherchieren und auch das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden können. 

23.10.16

20.10.16

http://qz.com/771727/chinas-factories-in-shenzhen-can-copy-products-at-breakneck-speed-and-its-time-for-the-rest-of-the-world-to-get-over-it/

Kommentar aus dem Jahr 2016: „Schurken !!!!“

Kommentar aus dem Jahr 2050: „Absolut selbstverschuldet. Wer lässt seine Kunden schon so lange warten? Hätte er seine CAD-Daten nicht bei Werliefertdas.de hochladen können? Dann hätte er innerhalb von Stunden 10 automatisiert erstellte Angebote gehabt. In Mecklenburg-Vorpommern.

Bei Angst vor Piraterie hätte er ja eine dieser als Kleinwaffenbauer verschrieenen Fabriken wählen können, die einem eine komplett automatisierte Fertigung und Montage versprechen und keine Maschinen- und Auftragsdaten speichern. Die garantieren zwar für das montierte Produkt keine Funktionalität, aber wer sich an die ISO-Standards für low complexity design und low complexity assembly hält, bekommt was im CAD-Modell steckt.

Und wozu wollte er überhaupt Geld sammeln? Damit das Produktionsangebot für eine Einzelbestellung bei mehr als dem 3-fachen des Klein- oder Mittelserienpreises liegt, muss das Bauteil wirklich an allen design-Normen vorbei konstruiert sein. Und diese Marge sollte ein Start-up in der Anfangsphase ohnehin eingeplant haben, gerade wenn der Aufbau einer Marke geplant ist. Kapital vorstrecken muss man wirklich nur, wenn man schon am ersten Handelstag mit 4-stelligen Verkäufen rechnet, sich eine höhere Priorität beim Lohnproduzenten erkaufen möchte oder um sich Optionen auf feste Stückzahlen, Liefertermine oder Maschinenzeitfenster zu sichern.

Ich kenne keinen freien Konstrukteur, der für Projekte im designer2consumer-Bereich (D2C) Kapital einsammelt. Zahlung 14 Tage vor Lieferung ist für Produktneueinführungen in der  low complexity Produktion ausreichend.“

20.10.16

5.9.16

Amazon Dash-Button aus rechtlicher Sicht

Deutsche Gründlichkeit at its best. Das meine ich ohne Ironie.

http://blog.arbeit-wirtschaft.at/14590-2/

Ich habe einen Gedanken, den ich noch nirgendwo aufgegriffen gefunden habe.

Wenn man die gesetzliche Hartz IV – Regelung nimmt und alle Bedürftigkeitsvoraussetzungen streicht, so dass praktisch jeder Antrag bewilligt würde, dann hätte man eine Art bedingungsloses Grundeinkommen (ohne Miete, weil dafür die Gemeinde (?) mit ihrem Wohngeld zuständig ist, aber immerhin). Umgekehrt: Wenn man dem bedingungslosen Grundeinkommen zur Sicherheit, wegen der offenen Fragen der Finanzierung etc., eine Bedürftigkeitsprüfung vorschalten möchte, dann hätte man so eine Art Hartz IV – System.

Das bedingungslose Grundeinkommen wäre also keine Revolution, sondern nur eine Weiterentwicklung eines schon bestehenden Systems und könnte Schritt für Schritt in feinen Dosen eingeführt werden – indem die Bedürftigkeitsvoraussetzungen Stück für Stück nach unten gesetzt werden. Man könnte auch jeden beliebigen Zwischenzustand herstellen, und das sehr zielgenau.

Anstatt dass sich die Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens und alle anderen, die von einem sozialeren Sozialsystem träumen, aber mit konkreten Forderungen zur Bedürftigkeitsprüfung für ihre Interessen kämpfen, fordern sie immer nur die Abschaffung.

Der Artikel oben ist ein gutes Beispiel: Obwohl die Kritik sich im Kern auf die Bedürftigkeitsprüfung „Sucht sie/er bezahlte Arbeit?“ bezieht, wird Hartz IV komplett in Frage gestellt. Begründet wird das (auch an anderen Stellen) oft mit der Stigmatisierung der Hartz IV – Bezieher.

Dieser Artikel arbeitet nun ziemlich klar heraus, dass die Stigmatisierung nur eine Folge der tief ins Private greifenden Bedürftigkeitsprüfung ist. Das heißt: Gestalten wir die bedürftigkeitsprüfung lockerer, fällt ein wesentliches Argument gegen das System Hartz IV weg. Bedeutet: Ein Großteil der Kritik, die sich selbst als Systemkritik zu Hartz IV bezeichnet, ist gar keine, sondern bezieht sich nur auf die Bedürftigkeitsprüfung.

Würde diese Kritik von den Kritikern so benannt und so behandelt, könnte man mit dem System also noch einiges anstellen, gerade im Sinn der Leistungsbezieher.

Streichen sollte man die Voraussetzung, dass Hartz IV – Bezieher arbeitssuchend sein müssen, so dass es für den Leistungsbezug irrelevant würde ob und welche Bewerbungen man verschickt. Kann sein, dass dadurch die Vermittlungsquote schlechter würde. Das kann 3 verschiedene Gründe haben:

1. Der Leistungsbezieher ist faul oder träumt von etwas Unerreichbarem.

2. Der Job bringt ihm ggü. der Hartz IV – Leistung keinen Mehrwert, weil er schlecht bezahlt ist.

3. Die Arbeitsbedingungen sind schlecht.

Gute Arbeitsbedingungen, die die Krankheitskosten der Gesellschaft reduzieren und Unfälle vermeiden sind im öffentlichen Interesse. Aber die äußeren Zwänge (Geldnot beim Arbeitnehmer, Kostendruck beim Arbeitgeber) verhindern das oft, und Whistleblower haben es schwer. Wäre es da nicht für die öffentliche Sache hilfreich, wenn zusätzlich zu den Betriebsprüfern und Gewerkschaftern auch die potentiellen Arbeitnehmer Druck auf diese Arbeitgeber ausüben könnten, und zwar durch Nicht-Bewerbung?

Genauso im Fall 2. Der Hartz IV – Satz entspricht dem Existenzminimum. Wenn ein Arbeitnehmer mit seinem Lohn nicht das Existenzminimum erreicht, dann profitiert der Arbeitgeber auf Kosten des Staates.* Wären die potentiellen Arbeitnehmer selbstbewusst genug zu sagen „So mache ich das nicht.“ würde dieses Problem aber so gar nicht erst entstehen.

Wir sollten deswegen Hartz IV – Empfänger, die angebotene Jobs ablehnen, nicht pauschal verdammen. Womöglich handeln sie im öffentlichen Interesse.

* Es mag den Fall geben, wo Menschen nicht die fürs Unternehmen notwendige Produktivität erreichen um einen ausreichenden Lohn zu erhalten, zB in Behindertenwerkstätten. In diesen Fällen ist es vollkommen in Ordnung, wenn der Lohn vom Staat aufgestockt wird. Mir geht es hier um den Fall, dass Menschen unter Androhung des Entzugs des Existenzminimums zu schlecht bezahlter Arbeit gedrängt werden.

5.9.16

15.7.16

07:40 bei Radio eins

Radio eins wollte mit Gernot Erler live in der Sendung über den Petersburger Dialog 2016 sprechen. Sie haben auch angerufen, aber „natürlich müssen wir jetzt über den Anschlag in Nizza sprechen“.

Nein, das müsst ihr nicht.

1. Weil der  Erkenntnisgewinn fehlt

Gernot Erler, der in einem anderem Land in anderen Themen steckt, kann doch auch nicht mehr tun, als die überall präsente Berichterstattung wiederzugeben und mit eigenen Mutmaßungen anzureichern. Und die ursprüngliche  Berichterstattung, zu der er tatsächlich etwas zu sagen gehabt hätte, weil er dort nämlich tatsächlich Handelnder ist, fällt aus.

2. Weil das Format nicht passt

Der Petersburger Dialog befindet sich in Bewegung, hier verändert sich an diesem Tag etwas, und was genau ist schwer zu fassen. Das Interview als Form ist daher von der Redaktion gut gewählt, weil hier das Thema vertieft dargestellt werden kann und erwartbare Unklarheiten von den Moderatoren angesprochen werden können. Der Anschlag dagegen ist vergangen und abgeschlossen, im Moment laufen die Aufräumarbeiten, Geduld ist gefragt bis die Fakten geklärt sind, bevor ernstzunehmende Analysen betrieben werden können. Eine kurze Nachrichtenmeldung genügt um alle bislang bekannten Fakten zusammenzufassen.

3. Aus Gründen, die mit dem Terror zusammenhängen

Terror soll Angst und Schrecken verbreiten, und wesentliches Mittel dazu ist es die Menschen zu verunsichern, wann was passieren wird. Genau diese Unsicherheit entsteht auch durch eine  Berichterstattung, die außer Mutmaßungen und unfundierten Meinungen nichts vorzuweisen hat. Eine ausgewogene Berichterstattung sollte die 80 Toten in Nizza genauso kühl betrachten wie die 675 Leichen, die gestern aus dem Mittelmeer geborgen wurden und die jährlich 26000 Verkehrstoten in Europa, für die meines Wissens kein Radioprogramm geändert wurde.
Ich habe heute nichts anderes gemacht als sonst. Die Kinder sind im Kindergarten, ich bin bei der Arbeit. Ich habe das nicht getan, weil ich die Toten nicht bedauere, sondern weil ich heute genauso wie gestern der Meinung bin, dass das, was ich tue sinnvoll und durchdacht ist.

Liebe Redaktion, woher kommt euer mangelndes Selbstvertrauen in die eigenen Prommmacherqualitäten, das euch dazu verleitet einen durchdachten Beitrag so plötzlich umzuschmeißen?
P.S: Ich habe mir das Interview nicht angehört.

15.7.16

7.7.16

zeit.de: Fischer im Recht: Frauenfilme zu Frauenwahrheiten und Frauenfragen

Ich war am Anfang auf Thomas Fischers Seite: Die notwendigen Gesetze sind vorhanden, sie werden in den emotional berührenfen Einzelfällen nur nicht richtig angewendet.

Den Kommentar von Ulrike Lembke (Wir brauchen einen Grundtatbestand „nicht einverständliche sexuellen Handlungen“ – oder wie ich sagen würde: „Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung“) finde ich aber schlüssig: 

So gibt es für Rechtsgüter wie die körperliche Unversehrtheit (einfache, gefährliche und schwere Körperverletzung) oder das Eigentum (Diebstahl, schwerer Diebstahl und Raub) einen Grundtatbestand und Strafschärfungsgründe, während bei der sexuellen Selbstbestimmung nur besondere Verletzungen erfasst sind (Vergewaltigung, sexuelle Nötigung)

Das nur bestimmte Verletzungen geahndet werden können, wird indirekt sogar von Thomas Fischers bestätigt. Bei ihm klingt es aber als ob Chaos ausbrechen würde, sobald diese Taten in einem Paragraf zusammengefasst würden: 

In dem voraussichtlichen neuen Paragraf 177 sollen ganz unterschiedliche Sachverhalte zusammengefasst werden: „Übergriffe“ und „Nötigungen“, Missbräuche und Zwangsmaßnahmen.

Was nur Ulrike Lembke, aber nicht Thomas Fischer erwähnt: Aufgrund des fehlenden Grundtatbestands für nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen wird ja sogar der Tatbestand der Beleidigung herangezogen, um ungewollte Berührungen wenigstens irgendwie verfolgen zu können (aktueller Fall, s. Anmerkung der Redaktion am Ende des Artikels). Diese Auslegung mag manchen Betroffenen helfen, sie war aber ganz bestimmt nicht bei der Verabschiedung des Gesetzes vorgesehen.

S. auch den Beitrag von Thomas Stadler.

7.7.16